Du bist hier: MS Lebenslauf Urs - 1954

Ich heisse Urs und bin am 05.04.1954 in Bern zur Welt gekommen, eine ältere und eine jüngere Schwester gesellten sich auch noch zu mir.
Nach neun obligatorischen Schuljahren, absolvierte ich eine Lehre als Koch die ich 1972 mit Erfolg abschloss. Danach arbeitete ich unter anderem in den Kantonen Luzern, Zürich und Wallis, um die Vielfältigkeit der Schweizer Küche kennen zu lernen, was sehr interessant war. Andere kulinarische Kultur lernte ich durch die diversen militärische Kurse in den Kantonen Thurgau, Graubünden, Uri, Ob- und Nidwalden, Jura und Aargau kennen. Im Herbst 1978 übernahm ich dann zum ersten Mal eine Stelle als Küchenchef in St. Gallen, wo ich auch Gelegenheit hatte Lehrlinge auszubilden. Neben meiner Tätigkeit als Küchenchef besuchte ich berufsbegleitend die Wirtefachschule in St. Gallen die ich im April 1981 mit der Eidg. Prüfung mit Erfolg abschloss. Ich fühlte mich sehr wohl in der schönen Stadt St. Gallen und trotzdem zog es mich Ende 1983 wieder nach Bern zurück.
Hier hatten meine Eltern mit einem Kollegen zusammen in der Zwischenzeit ein Möbelgeschäft für skandinavische Möbel eröffnet.
Leider verstarb meine Mutter dann in Februar 1984 ganz unerwartet an einem Herzversagen mit erst 59 Jahren. Ich arbeitete mittlerweile in einem Tagesbetrieb so das ich meinem Vater nebenbei auch noch sehr viel im Geschäft helfen konnte.
Im Jahre 1989 vernahm ich dann, dass der Betrieb in Herzen der Stadt Bern (eine Cohnfisserie mit Restaurant, Laden und eigener Backstube) von dem ich immer geträumt hatte, in einmal zu führen, die Stelle als Geschäftsführer frei wurde. Mit grosser Freude setzte ich mich hin und bewarb mich dafür. Nach diversen Vorstellungsgesprächen hatte ich es geschafft und bekam die Stelle. So machte ich mich nun an die Arbeit, um mir ein Konzept zu erstellen mit dem ich die 45 MitarbeiterInnen die da arbeiteten motivieren konnte. Es gelang uns allen dann auch grossartig diesen Betrieb erfolgreich zu führen. Ich war stolz auf all die Leute und hatte eine grosse Befriedigung mit einem so tollen Team arbeiten zu können.
Anfangs 1993 begannen dann zum ersten Mal die Probleme (die sich später als MS herausstellten), zwischendurch hatte ich Probleme beim laufen. Vorerst machte ich mir nicht allzu grosse Sorgen, ich hatte gerade eine ziemlich strenge Phase hinter mir, beruflich wie privat und schrieb es dem zu. Bis ich im Herbst einer starken Grippe wegen einmal den Hausarzt aufsuchte. „Was ist mit ihrem Bein“ fragte er mich als ich zu ihm ins Behandlungszimmer kam. Ich erzählte ihm das ich zwischendurch Probleme hatte beim laufen, aber das verginge immer wieder sehr schnell so wie es gekommen war. Er schlug mir vor das einmal von einem Neurologen untersuchen zu lassen. Ich stimmte zu und so bekam ich dann einen Termin. Nach den Routineuntersuchungen schlug der Neurologe vor ein CT vom Kopf (befürchtete Hirntumor, toll eine Woche vorher verloren Bekannte von mir ihren Sohn an einem Hirntumor) zu machen. 14 Tage Wartezeit bis zum CT, danach 14 Tage Wartezeit bis zum nächsten Besuch beim Neurologen, Ich glaube das war meine längste Zeit (Ungewissheit) im Leben. Dann der Befund alles in Ordnung (Gott sei Dank), aber wie weiter fragte ich mich! Der Neurologe riet mir dann zu weiteren Abklärungen ins Inselspital in Bern zu gehen um der Ursache auf den Grund zu kommen. Die Woche vor Weihnachten war es dann so weit, ich packte meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg ins Inselspital. Die zig Untersuchungen und der Entzug von Rückenmarkflüssigkeit konnten mir nicht viel anhaben, ausser das es zwischendurch auch einige unangenehme darunter hatte. Am dritten Tag, beim Arztbesuch meinte der Oberarzt dass wir eine Cortisontherapie machen sollten da bei meinen Nervenbahnen Vernarbungen zu sehen seien (was die MRI-Aufnahmen deutlich zeigten), ich als Medizinischer Nowbody stimmte zu, obschon mir Cortison schon nicht so positiv in Erinnerung war. Aber was wollte ich, ich hatte ihm keinen besseren Vorschlag. Und so ging’s am nächsten Morgen gleich mit der ersten Infusion los.
Nach fünf Tagen Cortison Infusionen verliess ich da Spital, ohne Namhafte Besserung verspürt zu haben.
Was nun, fragte ich mich! Ich wusste ja noch nicht einmal was MS war, das wird auch der Grund sein das ich mir in diesem Moment auch noch nicht allzu grosse Sorgen machte, und das ganze relativ locker nahm. Ich überlegte wie ich mich nun schlau machen konnte, der Gedanke an Literatur ging mir durch den Kopf, aber woher soll ich sie bekommen? Ich versuchte also mal in einer Buchhandlung mein Glück, und siehe da es gab tatsächlich Literatur darüber. Und so kaufte ich mir mal ein Büchlein über MS und begab mich nach Hause und begann zu lesen. Bald einmal wurde mir klar das es sich hier um eine nicht heilbare Krankheit handelt. Durch Zufall hörte ich dann durch meinen Arbeitgeber von einem Naturheilarzt den ein Bekannter von ihm besucht hatte, mit gutem Erfolg. Er besorgte mir die Adresse und an meinem nächsten freien Tag sass ich ins Auto und fuhr ins Appenzellerland zu diesem Naturheilarzt. Ich erzählte im dann von meinen zeitweiligem Lähmungserscheinungen im linken Bein. Er führte dann eine Augendiagnose durch und kam zum Ergebnis ich hätte Arthrose im linken Knie. Hmm..., dachte ich, bedankte mich nahm die eigens für mich hergestellte Salbe, mit dem Wissen wenn sie zu Ende sei nur ein Telefon zu geben und er würde mir wieder eine senden. Mein Fazit, Naturheilärzte sind auch nur Menschen. Ich versuchte dann durch weitere Literatur noch mehr über MS zu erfahren, wobei mir auffiel das sehr viel immer das selbe geschrieben wurde und das mich auch nicht weiterbringen würde. Als ich eines Tages eine ehemalige Arbeitskollegin von früher per Zufall i der Stadt traf und ihr von meiner Diagnose erzählte, bekam ich von ihr 2 Tage später eine Adresse einer Naturheilpraxis, in der ihre Schwester vor ein paar Jahren einmal war als bei ihr Epilepsie festgestellt wurde. Ich meldete mich dann einmal telefonisch in diese Praxis und bekam dann für drei Wochen später einen Termin. In der Zwischenzeit arbeitete ich fleissig weiter und genoss das Leben, denn ausser von Zeit zu Zeit eine plötzliche Lähmungserscheinung verspürte ich ja nichts, und es ging mir sonst gut. Der Termin für die Naturheilpraxis kam immer näher und schliesslich war es dann soweit. Ich setze mich ins Auto und fuhr los Richtung St. Gallen wo sich diese Naturheilpraxis befand.
Ich hatte nun also meine Stelle als Geschäftsführer verloren und nun begann die Suche nach einer neuen Arbeit. Ich meldete mich bei der Invalidenversicherung, bei der ich 1993 schon einen Antrag auf eine halbe Invalidenrente beantragt hatte, und bat um eine Umschulung. Da ich nicht mehr sicher, und vor allen auch nicht mehr so lange auf den Beinen sein konnte.
Eine erste Antwort hiess „Jemandem in ihrem Alter, damals war ich 42, bezahlen wir keine Umschulung mehr“ erstaunte mich dann doch sehr. Die Invalidenversicherung hat einen klaren Auftrag vom Bund der da heisst „Eingliederung vor Rente“, und hat den auch so umzusetzen. Nach der ersten Enttäuschung entschied ich mich dann, das nicht so auf mir sitzen zu lassen und hackte nach. Ich meldete mich nochmals am selben Ort und verlangte im Minimum eine Unterredung, die mir auch erst verweigert wurde. So zwangen sie mich andere Mittel zu Hilfe zu nehmen, ich machte diesen Damen und Herren klar, das es nicht sein kann das sich unsere Wirtschaft im Bezug auf soziale Verantwortung, ihre Aufgabe nicht mehr wahrnehme und sie als Institution die für so was geschaffen wurde, sich jetzt auch aus der Verantwortung schleichen wolle. Ich sagte ihnen dass ich ihnen eine Woche Zeit einräume um sich die Sache nochmals genau zu überlegen, ansonsten ich dann andere Schritte einleiten müsste. Das mir die Zankerei viel Substanz gekostet hat muss ja wohl nicht speziell erwähnt werden, und siehe da 3 Tage später bekam ich dann auch schon die Kontaktstelle gemeldet wo ich mich melden konnte. Nach einem 2 sündigen Gespräch mit dem Berufsberater der Invalidenversicherung entschied dieser sich zu bemühen einen Platz für die Umschulung für mich zu suchen, das war Ende Juli 1996. im Oktober desselben Jahres bekam ich dann ein Telefon mit der Mitteilung wo ich mich hinwenden sollte für einen Umschulungsplatz.
Ich hängte mich, voller Freude noch am selben Tag ans Telefon und meldete mich dort, 2 Tage später durfte ich auch schon da vorbei um zu sehen wo meine Umschulungsstätte war und was sie anzubieten hätten. Mit Termin Ende November in der Tasche wackelt ich nun wieder nach Hause um mich drüber zu freuen, obwohl die Invalidenversicherung die Kostengutsprache bis dahin noch nicht gesprochen hatte. Der Termin näherte sich immer mehr und eine Verfügung der Invalidenversicherung war immer noch nicht da, ich meldete mich wieder bei diesem Arbeitgeber und berichtete ihm, er sagte kurzerhand ich soll wie abgemacht bei ich anfangen und er werde sich dann dieser Sache annehmen. Am 3. Dezeber kam dann auch die Verfügung, die es erlaubte einen Monat also bis zu Weihnachten eine Abklärungsphase zu machen und danach würde der Endgültige Entscheid gefällt.
Ich musste also in die Weihnachtferien ohne zu wissen wie es nachher weitergeht, der Arbeitgeber sagte mir allerdings vorher das sein Bericht an die Invalidenversicherung über mich so positiv sei das die um ein ja nicht herum kommen würden, und ich soll im Januar so oder so wieder kommen. Es wurde dann Mitte Januar bis wir die definitive Verfügung für eine 1 ½-jährige Umschulung hatten.
Ich arbeitete dort im Treuhandbüro mit, was mir auch sehr viel Spass machte, dieser Arbeitgeber war übrigens die Kaufmännische Berufsschule Rossfeld die ihrer Berufsschule ein kleines Treuhandbüro aufgebaut hatten, um ihren Schülern auch möglichst viel praktische Arbeit anbieten zu können. Das besondere daran ist vielleicht das es eine Berufsschule für ausschliesslich Körperbehinderte Jugendliche ist.
3 Monate vor Ende der Umschulung kam dann der Leiter der Berufsschule auf mich zu und fragte mich ob ich bereit wäre mitzuhelfen dieses Treuhandbüro weiter auszubauen, was ich natürlich mit Begeisterung bejahte (wär’s eine Frau gewesen ich wäre ihr an den Hals gesprungen vor Freude J). Und so kam ich dann auch gerade zu einem Anstellungsvertrag und bin heute noch mit grosser Begeisterung dabei.


So liebe Leute ich hoffe ihr habt euch nicht gelangweilt beim lesen.
Wer sich gerne mit mir austauschen möchte kann das gerne tun, hier meine E-Mail Adresse
smilie@swissonline.ch.