Du bist hier: MS Lebenslauf Sandra - 1966

Ein Hallo an Jacqueline und alle andern

Mit Interesse hab ich deine Seite bewundert und die Lebensläufe gelesen. Hier ist nun meiner.

Bin 1966 in Bern geboren und als Scheidungskind bei meinen Grosseltern aufgewachsen, hatte eine glückliche Kindheit und Schulzeit (Primar- und Sekundarschule) in Bern. Danach 1 Jahr Kunstgewerbeschule in Zürich, 1 Jahr 10. Schuljahr wieder in Bern und eine Verwaltungslehre bei einer Gemeindeverwaltung.

Mit 21 hab ich geheiratet und 12 interessante Ehejahre verbracht, seit Mitte 2000 bin ich geschieden, u.a. auch weil mein Exmann sich mit dem Gedanken dass ich MS habe nicht abfinden konnte (er kann's noch immer nicht).

1999 hatte ich den ersten Schub, eine Sehstörung: es fühlte sich an wie ein Fernseher der schlecht eingestellt ist und das Bild rollt von oben nach unten und hält nicht an. Ziemlich einschneidende Erfahrung, Gehen, Treppensteigen und sich in Menschenmengen zu bewegen war furchterregend.

Nach einem Tag im Inselspital (08.00 - 23.30h) und einer Odyssee von einer Abteilung zur nächsten (Augenklinik, Gleichgewichtstests, Elektrotests) wurde ich nachhause geschickt um meine Sachen zu packen und am nächsten Tag einzurücken.

Dann im Spital noch mal dasselbe in "grün". Tests über Tests und Infusionen. Nach 3 Tagen waren die Symptome verschwunden und nach 5 Tagen wurde ich ohne Diagnose heimgeschickt mit der Bemerkung, dass erst wenn es sich wiederholt eine genaue Diagnose möglich wäre.

Ein halbes Jahr später wieder Sehstörungen, diesmal graue Schatten die vor meinen Augen rumtanzten. Zuerst ein MRI im Sonnenhofspital (das MRI am Inselspital war ausgebucht) und dann wieder Einrücken in der Insel. Wieder Infusionen, Liquorentnahme und Tests und dann die Diagnose: MS.

Nach einem 10minütigen Gespräch wurde ich ins Zimmer geschickt mit der Bemerkung falls ich noch Fragen hätte könne ich diese am nächsten Tag stellen. Diese Nacht werde ich wohl nie vergessen, ich hatte ja keine Ahnung was MS denn eigentlich ist, was denn jetzt auf mich zukommt (man sieht ja immer nur die Betroffenen die bereits im Rollstuhl sitzen oder bettlägerig sind).

Meine grösste Angst war aber dass ich blind werden könnte - dass das eigentlich nicht möglich ist habe ich am nächsten Tag erfahren. Damit war's für mich eigentlich wieder ok, da auch die Symptome wieder verschwanden. Dann natürlich der Gang in die Buchhandlung und Lesen und Lernen was ich denn da jetzt eigentlich habe. Die vielen sich widersprechenden Aussagen haben mich dann aber wieder davon abgebracht mich damit weiter zu beschäftigen.

Und wieder ein halbes Jahr später ein leichter Schub, diesmal Taubheitsgefühl in beiden Händen und in der Bauchgegend. Mein Hausarzt und ich entschieden uns für eine ambulante Infusions-Therapie während einer Woche in seiner Praxis, was mir sehr recht war, denn ausser der Infusion läuft ja im Spital während den 5 Tagen gar nichts und ich konnte weiter arbeiten gehen.

Mittlerweile hatte ich 4 Schübe, und bei allen sind die Symptome bis auf ein leichtes Taubheitsgefühl in den Händen und eine Muskelschwäche im Auge wieder weg. Ansonsten geht es mir sehr gut, obwohl ich weiterhin rauche und auch ab und zu Wein trinke.

Mein Arzt möchte mich für eine Interferon-Therapie begeistern, aber ich weigere mich bis jetzt beharrlich. Zurzeit sehe ich die Notwendigkeit dafür einfach nicht ein.

Ich arbeite weiterhin zu 100%, beim gleichen Arbeitgeber, habe mich aber mittlerweile vom Sekretariat zum Webpublisher weitergebildet und die Arbeit macht Spass. Sie gibt mir viel Kraft, braucht aber auch einiges an Substanz. Informatik ist ein stressiger Bereich, da braucht man viel Selbstdisziplin damit man nicht total darin untergeht.

Seit Ende 2000 habe ich einen lieben Freund der im Medizinbereich tätig ist und mich völlig normal behandelt und keine grosse Sache um meine MS macht, was mir ganz recht ist, da man mir im Moment ja auch nichts anmerkt. Wir sehen uns regelmässig an den Wochenenden und in den Ferien.

Ich sehe die MS als meinen Begleiter und Wächter an, der darauf achtet, dass ich mich gesund ernähre und auch geistig gesund erhalte.

Ich möchte allen Mut machen, denen es nicht so gut geht wie mir. Nehmt jeden neuen Tag als Geschenk und wenn ihr abends im Bett liegt und wenigstens einen positiven Gedanken an den vergangenen Tag mitnehmen könnt, war es kein vergebener Tag. Das Leben ist nun mal ein ewiges Auf und Ab, das geht allen so, auch den "Gesunden".

Sandra