Du bist hier: MS Lebenslauf Martina

Ich spürte eines Tages das sich in meinem ein Gefühl als wäre er eingeschlafen eingenistet hatte.
Es störte nicht weiter und ich nahm an das es nichts ernstes ist, da ich mal wieder einem Stress ausgesetzt hatte der einfach Spuren hinterlassen musste.
Ich hatte dem Menschen den ich Liebe jeden Kontakt zu mir verweigert und mir hatte ich verboten den Gefühlen für diesen Mann nachzugeben.
Um den Schmerz des Verlustes nicht so stark zu spüren scharte ich Menschen um mich die mir eigentlich egal waren, dann Menschen die es nicht waren. Allen tat ich sehr doll weh.
Das Gefühl aus dem Arm hatte ich nun auch im Bein und in der einen Seite des Torso und schob es auf Stress.
Um mir ein paar Tage Ruhe zu verschaffen ging ich zu meinem Hausarzt.
Nach Gespräch und Untersuchung war mir klar das es nicht Stress ist, das hatte er mir sehr deutlich gesagt, was es war allerdings nicht. Außerdem hatte ich einen Termin beim Neurologen.
Dieser Überprüfte meine Reflexe, Gleichgewicht und so weiter.
Er sah mich besorgt an und gab mir eine Überweisung in die Radiologie für ein CT.
Bis zu diesem Punkt habe ich noch nicht mal an was chronisches geschweige denn MS gedacht. Bis ich den Termin für das CT hatte zog sich Zeit wie Gummi, mein Trennungsschmerz wuchs stetig, aber ich gab mir nicht nach. Diese Kribbelei hielt an und fing an zu stören, das Tippen am Rechner wurde zunehmend schwieriger was in einer Umschulung zum Fachinformatiker wirklich unproduktiv ist.
Ich fieberte dem CT entgegen, ich ging innerlich davon aus dann käme die Therapie und dann ist gut.
Die Bilder aus CT waren fertig und ich saß zur Besprechung beim Neurologen.
Mir wurde erklärt was so alles auf diesen Bildern zu sehen war zunächst alles das was da hin gehörte, dann wies er auf die Punkte die er als Läsionen bezeichnete und sagte mir das die da nicht hingehören und das diese für die Missempfindungen verantwortlich seien.
Gut, und wie werden wir die wieder los dachte ich. Aussprechen konnte ich nur das "gut", da er mir dann schon mit großen, erschrockenen Augen und ebenso erschrockener, fester Stimme sagte "nicht gut".
Das war mein erstes Schlüsselerlebnis, da wusste ich das erste mal es ist scheißen Ernst, mein Körper hat an irgendeiner Stelle den Dienst Quittiert.
Er sagte noch das für eine Diagnose weitere Untersuchungen nötig wären, das man so was egal wo herkommt erst mal mit Cortison aufhält.
Die erste Infusion bekam ich sofort, während ich am Tropf hing las ich mir das Schreiben aus der Radiologie durch, von dem was da stand verstand ich nichts. Ich machte mir Gedanken darüber was das wohl sein könnte, ohne Ergebnis.
Vom Arzt aus fuhr ich zu meiner Mutter, kurz bevor ich da war hatte ich das zweite Schlüsselerlebnis, mir schossen die Buchstaben MS in den Kopf. Der Gedanke ließ mich auch nicht wieder los.
Als ich wieder zuhause war lass ich im Gesundheitslexika unter MS nach, dort fand ich eine ziemlich ähnliche Beschreibung meiner Symptome und ein CT Bild das meinem sehr ähnlich war. Ich schwieg und dachte nach ca. 1,5 Wochen. Dann bei einem Telefonat mit meiner Mutter sagte sie, sie müsse immer an eine Krankheit denken aber sie wolle mich nicht konfus machen. Daraufhin ich Ihr mein damaliges Wissen über MS wieder.
Das für die Diagnostik erforderliche Nervenwasser wurde entnommen und Ergebnisse ließen geschlagene 5 Wochen auf sich warten. In diesem Zeitraum quälte mich die MS- Frage genug um ein Buch einer Betroffenen zu lesen und meinem Neurologen das Stichwort MS auf den Markt zu schmeißen.
Das brachte mir zwei Sachen, erstens stellte die Autorin in den Raum das MS eine Folge von gegen sich selbst gerichtete Gewalt sein könnte, also beschloss ich das zu lassen um es nicht noch schlimmer zu machen als sowie schon ist, so das ich jetzt wieder mit dem Anfangs genannten Mann zusammen bin.
Zweitens ich bekam vom Neurologen die Antwort "darauf wird es wohl hinaus laufen".
Damit war für mich wegen der anfänglichen Drückerei klar ich habe MS.
Als dann die letzte Untersuchung das bestätigte und Spritzen Therapie anfing ging es mit mir bergab.
Ich hatte keine Beschwerden mehr, die waren genauso weg wie meine Kraft.
Ich lies mich hängen, gab auf.
Ich war nicht in der Lage dieser inneren Lähmung zu trotzen, ich konnte dem Leben nicht mehr stand halten, meine Post stapelte sich, die Fehlzeiten stapelten ich, meine Schulden wuchsen mir über den Kopf und meine Wohnung verwandelte sich zu einer Müllhalde.
Jetzt, ca. 2 Monate nach der Diagnose fange ich langsam an mich aufzurappeln, dank einiger Menschen um mich rum, die mir immer mal ein wenig unter die Arme griffen wenn sie können.
Ich mache mir auch wieder Gedanken wie ich meine Schulden ohne Titel hinkriege.
Mit der Schule na ja, ich um diese Schule gekämpft vor einem Jahr, heute habe ich die Kündigung hingeschickt und bin gar nicht mehr so sicher wie zu Zeiten der totalen Aufgabe ob das wirklich nötig ist.
Mein eigener Trost ist ich habe noch drei Wochen in denen ich sie zurücknehmen kann, wenn ich will.
Manchmal denke ich die MS war nicht schlecht, aber ich weis das es so nicht ist, nicht ganz.
Immerhin hat sie mich gelehrt was Kleinigkeiten sind und was wirklich wichtig ist, hat dafür gesorgt das ich mir die innere Ruhe gönne die brauche, Krank oder nicht.
Außerdem bin ich zu der Weisheit gelangt das wenn man die eigenen Sachen und Empfindungen immer "auf morgen verschiebt" einen solchen Widrigkeiten die nicht ganz alltäglich sind umhauen.
Ich weiß ich habe noch einen langen weg vor mir, aber jetzt bin ich wieder gewillt ihn zu gehen.
Martina