Du bist hier: MS Lebenslauf Claudia 1976

Hier meine Geschichte:
Zuerst ein wenig zu meiner Person.
Ich bin als letztes von 5 Kindern in Olten SO am 19.09.1976 zur Welt gekommen. Meine ganze Kindheit verbrachte ich mit meinen 4 Geschwistern und natürlich meinen Eltern in Mümliswil SO.
Nach meiner Schulzeit machte ich eine Lehre als Tiefbauzeichnerin, die ich im Juni 1997 mit gutem Erfolg bestand. Auch hatte ich zu der Zeit meinen jetzigen Freund Ivan schon. Wir zogen im April 1997 zusammen. Und alles schien in meinem Leben den perfekten Weg zu nehmen. Ich konnte nach meiner Ausbildung bei meinem Lernbetrieb weiter arbeiten. Im März 1999, fand ich bei einem anderem Ingenieurbüro eine Arbeitsstelle. Ich freute mich sehr auf diese neue Herausforderung.
Doch alles kam anders.
Mit meiner Vorfreude auf die neue Stelle, ging es mir körperlich plötzlich weniger gut. Ich fühlte mich immer müde und ausgelaugt, bei jeder Grippe die im Anmarsch war, lag ich sofort mehrere Tage im Bett. Auch etwas neues, was ich vorher nicht kannte, waren diese sehr starken Kopfschmerzen. Doch ich dachte mir am Anfang nicht viel dabei. Als ich dann mit der Atmung Probleme bekam, ging zum Arzt. Nach einer Reihe Untersuchungen beim Lungen Spezialisten stellte sich heraus dass ich Asthma haben soll und eine Allergie auf Hausstaubmilben. Also stellte ich unsere Wohnung um und alles nahm wieder seinen normalen Ablauf.
Dann am Freitag den 31. April 1999.
Ich hatte einen strengen Tag im Büro und kam müde nach Hause. Es war ein schöner Frühlings Tag. Gegen 20.00 Uhr kam meine Freundin und wir gingen kurz etwas trinken. Es war ein schöner Abend, bis wieder diese starken Kopfschmerzen eintraten, und wir nach Hause fuhren. Mit einer Tablette legte ich mich schlafen. Am Samstagmorgen den,1.Mai 1999, wachte ich auf und stellte mit schrecken fest, dass meine linke Gesichtshälfte schlief. Sofort ging ich ins Bad und schaute ob man etwas sieht. Man sah natürlich gar nichts. Zurück im Bett weckte ich Ivan auf und er versuchte mich zu beruhigen.
Dann dachte ich mir, noch ein bisschen zu schlafen. Doch schlafen konnte ich nicht mehr, gingen mir doch alle Gedanken durch den Kopf nur keine Sekunde dachte ich an MS.
Das Wochenende verbrachten wir mehrheitlich zu Hause, denn ich konnte kaum gehen so schwindlig war mir. Und Ich fühlte mich überhaupt nicht wohl. Am Montagmorgen den, 3.Mai 1999, bekam ich einen Termin beim Hausarzt, der meldete mich sofort beim MRI an. Und ich bekam einen Termin für Donnerstag den 6.Mai 1999. Die ganze Woche über ging ich arbeiten, damit ich meine Angst vor dem Was ?? ein wenig beruhigen konnte. Am Freitagmorgen den, 7.Mai1999, beim Hausarzt erfuhr ich die Diagnose MS und ich war am Boden zerstört.
Eine Stunde später, war ich im Spital in Niederbipp. Und weilte dort für fünf Tage. Wie sicher alle Leser meiner Geschichte kennen wurde ich mit Kortison behandelt. Wie die Ärzte mir sagten war dieser Schub laut den Röntgenbildern schon der ca. fünfte. Denn man sah eindeutig mehrere Vernarbungen auf den Bildern. Wieder zu Hause.
Als ich entlassen wurde hatte ich grosse Angst vor der Zukunft. Wegen den Nebenwirkungen des Kortisons ging es mir sehr schlecht. Ich konnte nichts essen, sondern musste mich immer wieder übergeben. Und ich hatte sehr starke Kopfschmerzen. Alles in mir fühlte sich hilflos an und ich wusste nicht, was mit mir anfangen. Denn mein ganzer Körper wehrte sich gegen jegliche Anstrengung.
Es gab Tage an denen ich entweder weinte oder schlief. Während diesen Tagen ist mir mein Freund Ivan stundenlang zur Seite gestanden Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Denn auch für ihn war dies eine grosse psychische Belastung.
Dann kam das mit dem neuen Job noch hinzu und ich entschied die Stelle nicht anzunehmen. Denn ich hatte mit mir selbst genug Arbeit. Ich war wie ein ausgewechselter Mensch. Und ich musste lernen mit der Krankheit umzugehen. Meinem damaligen Arbeitgeber und früheren Lernbetrieb war ich sehr dankbar, denn sie nahmen meine Kündigung zurück und ich konnte bei Ihnen, in für mich vertrauten Kreisen, weiter arbeiten.
Auch meine Gedanken spielten verrückt, ich hatte und habe, wahnsinnig grosse Angst vor der Zukunft was kommt da noch alles auf mich zu ?? Immer wieder hatte ich Träume von Rollstühlen die mich überrollen und ich dabei sterbe. Auch wenn ich auf der Strasse einen Rollstuhlfahrer gesehen hatte, bekam ich ein komisches Gefühl im Magen und ich flüchtete in die andere Richtung. Der Gedanke einmal im Rollstuhl zu sitzen war für mich am Anfang das schlimmste an der ganzen Sache.
Es folgten eine Reihe Untersuchungen bei Neurologen und auch im Inselspital Bern lies ich mich untersuchen. Dabei ging es um die Betaferon Therapie ich wehrte mich gegen all die Medikamente die man mir verschreiben wollte und nahm nur das nötigste zu mir. Ich hatte grosse Angst in einen Kreis von Medikamenten zu gelangen.
Schon von Kind auf habe ich mir immer gewünscht einmal eine eigene Familie zu haben. Die Ärzte jedoch raten mir alle davon ab, trotzdem bin ich immer noch fest entschlossen mit meinem Freund Ivan eine Familie zu gründen. Denn ich hatte jetzt schon ein Jahr, keinen weiteren Schub mehr und ich bin davon überzeugt dass ich und mein Körper das schaffen.
Seit April diesen Jahres habe ich auch beruflich eine neue Herausforderung gefunden. Ich fand ganz in der nähe meines Wohnortes eine interessante Arbeitsstelle. Auch mein neuer Arbeitgeber geht mit mir und meiner Krankheit ganz normal um. Da ich von Anfang an mit offenen Karten gespielt hatte, und ich Ihm beim zweiten Vorstellungsgespräch meine Situation erklärt habe, ist er sehr verständnisvoll wenn es mir mal nicht so gut geht.
An alle Leser meiner Geschichte :
Alles was einem im Leben geschieht hat seinen Grund. Mittlerer weile schaue ich meine Krankheit als eine Art Lebensaufgabe an, auf mich aufzupassen. Ich weis dass ich ein Glückspilz bin, denn ich hatte bis jetzt nur diesen einen Schub mit Aussetzern. Aber meine Geschichte soll vielen helfen die, die Diagnose MS, auch noch nicht lange haben. Denn gerade am Anfang braucht es viel Kraft um damit überhaupt fertig werden zu können. Auch ich wäre froh gewesen einmal einen Bericht in dieser Form lesen zu können. Denn oft liest man überall nur vom schlimmsten. Weil man bei dieser Krankheit nie sicher sein kann dass es einem nicht doch noch schlimmer trifft, braucht es wahnsinnig viel Kraft stark zu bleiben.

Dir Jaqueline möchte ich ein grosses Lob aussprechen zu deiner Homepage. Ich finde sie ganz einfach super !
Nun wünsche ich allen Betroffenen und Angehörigen ein schönes und möglichst gesundes Leben !
Danke fürs lesen
Alles Gute und liebe Grüsse Claudia